Schwäne: weitaus mehr als ein Liebessymbol

Singschwan im Flug mit weit ausgebreiteten Flügeln
Singschwan im Flug

Sie sind schön, imposant und für viele von uns verkörpern sie auch die Liebe – Schwäne. Nach Informationen des Naturschutzbund Deutschland (NABU) gehören sie zu den größten flugfähigen Vögeln der Erde. Weltweit gibt es sieben Schwanarten, von denen vier auch bei uns in Deutschland zu bewundern sind.

Höckerschwan (Cygnus olor)

Der Höckerschwan mit sechs Küken hinter sich auf Gewässer
Der Höckerschwan kommt am häufigsten in Deutschland vor

Die am häufigsten in Deutschland vorkommende Schwanart ist der Höckerschwan. Mit seiner Größe von bis zu 160 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 235 cm ist er nach Angaben des NABU der größte heimische Wasservogel in Deutschland. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass die Männchen ein Gewicht von 15 kg auf die Waage bringen können, während die Weibchen mit maximal 12 kg etwas leichter sind.

Vom Aussehen her ist der Höckerschwan mit seinem weißen Gefieder, seinem markanten langen s-förmigen Hals, dem orangen Schnabel und dem schwarzen Stirnhöcker das Sinnbild eines Schwans.

Lebensraum und Nahrung

Laut dem NABU war der Höckerschwan ursprünglich nur im nördlichen Europa, um das schwarze Meer und zwischen Kleinasien und Nordchina beheimatet. Durch den Menschen wurde der imposante Wasservogel über die Jahrhunderte jedoch in vielen Teilen der Erde angesiedelt: u. a. in Nordamerika, Japan, Australien und auch in Deutschland. Hierzulande wurde er im 16. Jahrhundert ausgewildert und ist laut NABU besonders in der Nordostdeutschen Tiefebene zuhause.

Grundsätzlich bevorzugt der Höckerschwan stille Gewässer wie Meeresbuchten oder Binnenseen. Er fühlt sich aber auch an künstlich angelegten Teichen wohl. In diesen Habitaten kann der Cygnus olor in Ruhe „gründeln“. Gründeln bezeichnet den Prozess der Nahrungsaufnahme, bei dem der Schwan seinen Kopf tief ins Wasser steckt, um Wasserpflanzen vom Boden loszureißen und zu essen. Neben Wasserpflanzen isst der Höckerschwan auch Uferpflanzen und Gras. Im Winter weicht er zudem auf Getreidegräser und Raps aus.

Zugverhalten und Fortpflanzung

Hierzulande ist der Höckerschwan nach Angaben des NABU ein Standvogel, der nur zwischen seinem Brutplatz und dem Nahrungsrevier wechselt. Das bedeutet, er ist ganzjährig hier zuhause und unternimmt keine Wanderung in südlichere Gefilde. Nur während der Mauser zwischen Juni und August kann es vorkommen, dass der Schwan innerhalb Deutschlands längere Strecken zurücklegt, um sich an sogenannten Mauserplätzen (z. B. auf großen Binnengewässern) niederzulassen.

Höckerschwäne sind monogam und binden sich daher ein Leben lang an ihren Partner. Die Brutzeit des Höckerschwans erstreckt sich von Februar bis Ende September. Dabei erfolgt nach einer Brutzeit von rund 35 bis 40 Tagen die Eiablage (bis zu acht Eier) meist Ende April. Während das Weibchen die Eier in ihrem Nest aus Schilf, Zweigen und den eigenen Daunen ausbrütet, verteidigt das sonst so ruhige und scheue Männchen das Brutrevier aggressiv. Die Eltern ziehen ihre Küken, die erst nach vier bis fünf Monaten flügge werden, gemeinsam groß. Zu Beginn ihres Lebens haben die meisten Küken graues Gefieder und einen grauen Schnabel. Die Verwandlung in einen weißen Schwan erfolgt erst nach einigen Monaten.

Gefährdungsgrad

Obwohl der Höckerschwan nicht auf den Speisekarten der europäischen Küche steht, darf er nach dem Bundesjagdschutzgesetz in Deutschland dennoch von November bis Februar bejagt werden. Er gilt hierzulande als nicht gefährdet und nach Angaben des NABU liegt die Zahl der Brutpaare zwischen 10.500 und 14.500 – Tendenz steigend.

Singschwan (Cygnus cygnus)

Zwei Singschwäne mit ihren Köpfen aneinander, im Hintergrund sieht man viele weitere Singschwäne
Singschwäne führen eine lebenslange Partnerschaft

Der Singschwan ist von den Körpermaßen ähnlich groß und korpulent wie der Höckerschwan. Er hat ebenfalls ein weißes Gefieder, wobei der Kopf und Hals auch rostfarben sein können. Im Gegensatz zum Höckerschwan ist der Hals des Cygnus cygnus sehr gerade, er hat keinen schwarzen Höcker und der Schnabel ist nicht orange, sondern gelb mit einer schwarzen Schnabelspitze.

Lebensraum und Nahrung

Die Singschwäne kommen ursprünglich aus Island und Ostsibirien. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie sich jedoch immer weiter nach Mitteleuropa verbreitet und brüten nach Informationen des NABU seit 2005 auch bei uns. Sie lassen sich an störungsarmen Gewässern wie Tümpeln und Sümpfen nieder und verbringen laut dem NABU den Winter regelmäßig an der Ost- und Nordseeküste sowie an den großen Binnengewässern Norddeutschlands. Neben Wasserpflanzen ernährt sich der Singschwan auch gerne von Blättern, Knospen, Samen und Wurzeln.

Zugverhalten und Fortpflanzung

Nach Informationen des Naturschutzbundes ist der Singschwan ein Kurz- und Langstreckenzieher, der häufig mit der kompletten Familie in die Überwinterungsgebiete zieht. Das bedeutet, dass neben den ganzjährig bei uns ansässigen Cygnus cygnus zwischen Oktober und März auch Singschwäne aus Skandinavien oder Sibirien nach Deutschland kommen.

Wie der Höckerschwan führt auch der Singschwan eine lebenslange Partnerschaft. Während der Brutzeit zwischen April und Juni bevorzugen die Singschwan-Weibchen für die Aufzucht ihrer rund 5 Küken ruhige Moor- und Waldseen. Das Ausbrüten des Nachwuchses dauert zwischen 30 und 40 Tage. Die Küken werden nach rund drei Monaten im Familienverbund flügge.

Gefährdungsgrad

Der Singschwan kommt extrem selten vor, gilt jedoch nicht als nicht gefährdet. Nach Angaben des NABU gibt es in Deutschland aktuell zwischen 50 und 60 Brutpaare – der Bestandstrend ist stark steigend.

Schwarzschwan (Cygnus atratus)

Leicht erkennbarer Schwarzschwan auf Gewässer
Leicht erkennbarer Schwarzschwan auf Gewässer

Wie der Name es schon vermuten lässt, ist der Schwarzschwan eine von zwei Schwanarten weltweit, die fast vollständig schwarz gefiedert sind. Allein die Hand- und Armschwingen sind weiß gefärbt. Besonders auffällig sind die roten Augen sowie der rote Schnabel, der an der Spitze eine weiße Binde aufweist. Der Cygnus aratus wird bis zu 140 cm groß, mit einer Spannweite von rund 170 cm und einem Gewicht von bis zu 9 kg. Die Weibchen sind etwas kleiner und leichter als die Männchen.

Lebensraum und Nahrung

Der Schwarzschwan kommt ursprünglich aus Australien, wurde von den Menschen jedoch auch in Neuseeland, den USA und Europa eingeführt – auch bei uns in Deutschland. Nach Angaben des NABU brütet der Schwarzschwan seit 1996 in Deutschland und kommt größtenteils in Nordrhein-Westfalen vor. Dort lassen sie sich am liebsten an Seen, Flussmündungen und Binnengewässern nieder. Sie bevorzugen seichtes Wasser mit wenig Strömung.

Dort lässt sich, wie auch an Überschwemmungsflächen, am besten auf Nahrungssuche gehen. Der Schwarzschwan ernährt sich hauptsächlich von Wasserpflanzen und Algen. Im Winter verzehrt er zusätzlich gerne Getreide und Mais.

Zugverhalten und Fortpflanzung

Wie der Höckerschwan ist auch der Schwarzschwan ein sogenannter Standvogel. Das heißt, er fliegt über die Wintermonate nicht gen Süden, sondern bleibt über das ganze Jahr in Deutschland. Die großen Wasservögel sind sehr gesellig und gerne in größeren Gruppen unterwegs. Auch während der Paarungs- und Brutzeit legen sie laut dem NABU ihre Nester in Kolonien an.

Während die Brutzeit des Schwarzschwans in seinem Ursprungsland Australien zwischen Mai und August fällt, brütet er nach den hiesigen Tierschützern auch im Winter bei uns in Deutschland. Auch bei dieser Schwanart binden sich die Paare ein Leben lang und ziehen durchschnittlich fünf Küken groß, die nach einer Brutzeit von etwa 40 Tagen aus ihren Eiern schlüpfen. Die Nachkömmlinge, die zu Beginn ihres Lebens ein graues, weiches Federkleid haben, werden nach Angaben des Naturschutzbundes erst nach 150 bis 170 Tagen flügge. Das restliche Leben verbringen die eleganten Tiere dann im Umkreis ihres Geburtsortes.

Gefährdungsstatus

Laut aktuellen Tierschutz-Statistiken gibt es in Deutschland gerade einmal zwischen 20 und 30 Brutpaare, die auf Parkvögel und gezielte Aussetzungen zurückgehen. Der Schwarzschwan wird daher als nicht gefährdet gelistet und die Bestände nehmen stetig zu.

Zwergschwan (Cygnus columbianus bewickii)

Zwergschwan Portrait des Kopfes
Zwergschwan Portrait des Kopfes

Der Zwergschwan ähnelt vom Aussehen her dem Singschwan. Er hat ebenfalls ein weißes Gefieder, jedoch einen proportional kürzeren Hals. Zudem hat der Schnabel im Vergleich zum Singschwan einen größeren Schwarzanteil und eine weniger stark ausgeprägte Gelbpartie. Im Vergleich zu anderen Schwanarten ist der Cygnus columbianus bewickii eher klein und wird maximal um die 125 cm groß.

Lebensraum und Nahrung

Im Gegensatz zu den anderen in Deutschland vorkommenden Schwanarten ist der Zwergschwan hierzulande nur Wintergast. Die meiste Zeit des Jahres verbringt er in der russischen Tundra und hält sich hauptsächlich in der Nähe von ruhigen Binnen- und Küstengewässern auf. An diesen Plätzen findet er auch seine Nahrung, die ausschließlich pflanzlich ist. Auf seinem Speiseplan stehen Wasser- und Sumpfpflanzen sowie Ernterückstände und Gräser.

Lebensweise und Zugverhalten

Zwergschwäne können während der Brutzeit recht aggressiv werden, sind aber sonst relativ gesellige Tiere. Nach Informationen des NABU halten sie sich auch gerne in der Nähe von Singschwänen auf.

Bei den Zwergschwänen gibt es drei verschiedene Überwinterungsziele: Einen Teil der russischen Population zieht es nach China und Japan, einen ans Kaspische Meer und eine in den Nordwesten Europas. In Dänemark, den Niederlanden und bei uns in Norddeutschland überwintern sie dann von November bis März. Zwergschwäne lassen sich nach Angeben des NABU meist immer an den gleichen Stellen, wie die Jahre zuvor, nieder.

Gefährdungsstatus

Laut den hiesigen Tierschutzorganisationen steht der Zwergschwan hierzulande nicht auf der Roten Liste und ist weltweit nicht gefährdet. Dennoch nimmt der Bestand hierzulande seit Jahrzehnten bedenklich ab. Zählte die Bestandserfassung des Naturschutzbundes 1995 noch 29.800 Tiere, waren es im vergangenen Jahr nur noch 12.900 Exemplare. Eine genaue Ursache dieser Entwicklung ist nicht bekannt.

Zurück